Kult, Körper, Klang – das Tintinnabulum erklärt
Shownotes
Was ist ein Tintinnabulum? Funktion und Bedeutung Phallus als Glücks- und Schutzsymbol in der Antike Humor und Symbolik im römischen Alltag Das „Geheimkabinett“ im Archäologisches Nationalmuseum Neapel Sexualität in der römischen Gesellschaft – Unterschiede zwischen Männern und Frauen Bordelle, Graffiti und gelebte Realität in Pompeji Markus Neidhardt und die Kunst der authentischen Replik Herstellung antiker Objekte: vom Wachsmodell zum Guss Einblick in das Herbstevent „Römer im Schein der Fackeln“ im römischen Freilichtmuseum Hechingen-Stein Warum die Antike oft offener war, als wir denken
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Hier ist dein geglättetes, professionelles Transkript – sprachlich bereinigt, flüssig formuliert und podcasttauglich, ohne den Inhalt zu verfälschen:
🎙️ Transkript – Salvete: Römische Geschichte erleben
Episode: Tintinnabulum – Glücksbringer, Humor und Sexualität in der Antike
Sprecher 2:Mit dieser etwas sexualisierten Darstellung schlagen wir heute eine Brücke zu einem spannenden Thema: der Sexualität in der Antike – wie sie gesehen wurde und welche Rolle sie im Alltag spielte.
Das ist doch eine gute Idee. Dann fangen wir direkt an.Markus, ich habe wieder etwas Spannendes bei dir entdeckt – ein Stück für meine persönliche Sammlung. Und zwar handelt es sich um einen Gladiator. Was genau stellt dieses Objekt dar? Und welche Funktion hatte es?
Sprecher 1 (Markus Neidhardt):Also, dieses kleine „Glockenspiel“ – auf Latein nennt man es Tintinnabulum – ist im Grunde schon eine lautmalerische Bezeichnung. Der Name spiegelt das Klingeln der Glöckchen wider.
Solche Stücke wurden als Türglocke oder auch als Windspiel verwendet. Sie sollten hörbar sein, wenn sich etwas bewegte – etwa wenn die Tür geöffnet wurde oder wenn Wind durch einen Garten ging.Doch ihre Funktion ging darüber hinaus: Das Klingeln sollte böse Geister vertreiben. Es handelte sich also um einen Glücksbringer, der Unheil fernhalten sollte – insbesondere, wenn Besuch ins Haus kam.
Das Besondere an diesem Stück ist jedoch die Darstellung. Wir sehen hier einen Gladiator – genauer gesagt einen sogenannten Bestiarius, also einen Tierkämpfer.Der Clou ist, dass der Phallus dieses Gladiators als wildes Raubtier dargestellt ist. Das Ganze ist humorvoll gemeint und spielt darauf an, dass in jedem Mann ein „wildes Tier“ steckt – ein Trieb, der gezähmt werden muss.
Der Gladiator hat das Schwert erhoben und versucht symbolisch, dieses „Tier“ unter Kontrolle zu bringen.
Sprecher 2:Und wo hast du die Idee für dieses Stück her?
Sprecher 1:Tintinnabula sind tatsächlich keine seltenen Funde. Es gibt eine ganze Fundgattung davon, häufig mit phallischen Darstellungen.
Ein besonders beeindruckender Ort ist das sogenannte Geheimkabinett im Archäologischen Nationalmuseum in Neapel. Dort findet sich eine große Sammlung solcher eher frivolen Objekte.Die Sammlung geht auf die Bourbonen zurück, die im 18. Jahrhundert Pompeji und Herculaneum ausgraben ließen.
Interessanterweise war dieses Kabinett lange Zeit nur Männern zugänglich – und selbst in der Neuzeit, also etwa zwischen 1860 und 1960, war es der Öffentlichkeit weitgehend verschlossen. Nur Wissenschaftler durften es betreten.
Erst im Jahr 2000 wurde die Sammlung für Besucher geöffnet – allerdings bis heute mit Altersbeschränkungen.
Sprecher 2:Also gibt es bis heute eine gewisse Prüderie. Wie war das denn bei den Römern selbst? Welche Einstellung hatten sie zur Sexualität?
Sprecher 1:Als die Bourbonen diese Objekte fanden, galten sie als Pornografie. In der Antike war das aber ganz anders.
Sexualität war allgegenwärtig. Phallusdarstellungen fanden sich überall: am Pferdegeschirr, auf Fingerringen oder sogar als Wegweiser.Der Phallus war ein Symbol für Glück und Schutz – ähnlich wie das Tintinnabulum selbst.
Ich habe kürzlich ein besonders interessantes Beispiel aus Nordafrika gesehen: Ein Phallus, der von einem Auge angegriffen wird, auf dem ein Skorpion sitzt – eine Darstellung des „bösen Blicks“.Der Phallus „wehrt“ sich, indem er symbolisch das Auge neutralisiert. Für uns wirkt das heute vielleicht befremdlich – für die Römer war es alltägliche Symbolik.
Sprecher 2:Du hast ja noch ein weiteres Tintinnabulum in deinem Sortiment. Geht das in eine ähnliche Richtung?
Sprecher 1:Ja, auch dort haben wir eine Phallusdarstellung – allerdings personifiziert. Der Phallus bekommt Beine, kann laufen, manchmal sogar fliegen.
Bei diesem speziellen Stück sitzt eine Reiterin rücklings darauf, wie auf einem Pferd, und hält einen Siegerkranz darüber.Das zeigt deutlich: Diese Objekte waren nicht nur funktional, sondern auch humorvoll – und spiegeln den oft spielerischen Umgang der Römer mit solchen Themen wider.
Sprecher 1 (Fortsetzung):Solche Darstellungen waren in der Antike allgegenwärtig und zeigen, dass Sexualität im römischen Alltag deutlich sichtbarer war als heute.
Allerdings muss man auch sagen: Diese Freiheit galt vor allem für Männer.Frauen hatten deutlich weniger Rechte. In der Ehe gingen sie vom Besitz des Vaters in den Besitz des Mannes über. Ehebruch konnte für Frauen sogar tödlich enden.
Für Männer hingegen galten andere Maßstäbe. Sexualität, Liebe und Ehe waren oft voneinander getrennt.In Pompeji gab es öffentliche Bordelle, aber auch Dienstleistungen in Tavernen oder anderen Orten. Entsprechende Graffiti und Darstellungen finden sich überall.
Sprecher 2:War Homoerotik denn akzeptiert?
Sprecher 1:Sie war zumindest deutlich weniger tabuisiert als in der jüngeren Vergangenheit.Wenn man sich das aus Sicht eines wohlhabenden Römers ansieht, der über Sklaven verfügte, dann war Sexualität oft schlicht eine Dienstleistung.
Man nahm sich, was verfügbar war. Aus heutiger Sicht ist das schwer zu akzeptieren – aber in der damaligen Gesellschaft war das Teil der Realität.
Sprecher 2:Noch einmal zurück zu deinem Gladiator: Wie bist du auf dieses konkrete Stück gestoßen?
Sprecher 1:Ich habe das Original Ende der 1990er Jahre im Museum in Neapel gesehen – kurz nachdem das Geheimkabinett für die Öffentlichkeit zugänglich wurde.
Das Stück ist eines der zentralen Objekte der Sammlung. Seitdem hat es mich nicht mehr losgelassen.Die Umsetzung war allerdings sehr aufwendig, weshalb ich es erst viel später realisieren konnte.
Dank moderner Möglichkeiten wie Detailfotos und Fachliteratur war die Quellenlage schließlich gut genug, um eine präzise Nachbildung anzufertigen.
Sprecher 2:Das heißt, du hast das komplett selbst modelliert?
Sprecher 1:Ja, genau. Es handelt sich nicht um einen Abguss, sondern um eine freie Rekonstruktion nach Vorlage.
Das Modell entsteht meist in Wachs und wird anschließend im Gussverfahren umgesetzt.Aus dem ersten Modell wird dann eine Form erstellt, mit der weitere Exemplare produziert werden können.
Sprecher 2:Wie lange dauert so etwas?
Sprecher 1:Schwer zu sagen, da ich immer wieder daran gearbeitet habe. Insgesamt waren es wahrscheinlich etwa zwanzig Stunden.
Vor allem die Details sind aufwendig: die Tunika, der Faltenwurf, die Schutzpolster, die Kopfbedeckung – all das muss sorgfältig ausgearbeitet werden.Gerade bei einem Bestiarius ist das archäologisch besonders spannend.
Sprecher 2:Und wo kann man so ein Stück bekommen?
Sprecher 1:Über meinen Webshop unter www.replikshop.de.Man sollte allerdings etwas Geduld mitbringen – die Herstellung dauert, und solche Stücke sind selten auf Lager. In der Regel muss man etwa vier Wochen einplanen.
Sprecher 2:Dann vielen Dank, Markus – und viel Erfolg bei den „Römern im Schein der Fackeln“ hier in Stein.
Sprecher 1:Vielen Dank, ich freue mich sehr, wieder hier zu sein.
Sprecher 2:Und wir freuen uns auch – denn die Stücke und die Geschichten dahinter sind einfach großartig.
🏁 Ende des Transkripts
Wenn du möchtest, kann ich dir daraus noch:
🎧 eine gekürzte Hörfassung (8–10 Minuten)
🎭 oder eine dramaturgisch zugespitzte Version für den Audioguide
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